Wir wünschen allen Freunden der Horber Schienen-Tage ein friedliches und erfolgreiches Jahr 2018
Fachexkursion Eisenbahn in Tunesien
Geschichte der Eisenbahn im Südwesten
 

Das Innere Tunesiens liegt nicht so sehr im Blickpunkt der Touristen. Die von dort nach Europa vordringenden Nachrichten sind (wie auch in Gegenrichtung) oft eher Gerüchte, die an der Wirklichkeit vorbeigehen. Berichtet wird von einem wunderbar zu bereisenden Land oder auch von der völligen Zerstörung des Bahnnetzes. Was stimmt?

In der nebenstehenden Karte ist die Betriebslage der Strecken angegeben, wie sie im Frühjahr 2012 durch eigenen Augenschein festgestellt werden konnte. Zum Verständnis der Situation heute ist ein Blick auf die Geschichte der Neuzeit nützlich. Tunesien war ab 1881 französisches Protektorat.

Im Norden begann knapp vorher in Normalspur der Bahnbau zwischen Palästen des Bey rund um Tunis und ab etwa 1885 in Richtung Westen zur Verbindung mit dem von Frankreich annektierten Algerien. Von Tunis in Richtung Süden wurden erste kurze meterspurige Bahnen errichtet. Das Militär baute für seine Bedürfnisse an einigen Orten Feldbahnen.

Mit der Entdeckung reicher Phosphatvorkommen im Landesinneren richtete sich der Blick nach Süden. Zum Abtransport der Bodenschätze mußten Bahnstrecken an die Küste gebaut werden. So führte schon vor 1900 eine Meterspurstrecke von Metlaoui nach Sfax (in der Karte rechts blau). Ihre Errichtung war Vorbedingung für die Konzession zum Abbau des Phosphaterzes.

Das Bahnnetz im Südwesten wuchs rasch und war zu großen Teilen bereits vor dem ersten Weltkrieg in Betrieb. Die vor 1912 für die Erschließung der Bergbauregionen errichteten Strecken sind in der Karte grün eingezeichnet.
 
Die von Tunis aus nach Südwesten führende Meterspurstrecke bis Pont du Fahs wurde verlängert. Stichstrecken erschlossen die Bergbauregionen. Die Hauptstrecke führte bis Kalaat Djerda, dem heutigen Kalaa Khasba. Dort endet heute der Personenverkehr aus Tunis.

Von Metlaoui ausgehend entstanden im Süden weitere Bahnstrecken, beispielsweise 1905 Metlaoui – Redeyef.

1909 wurde ausgehend von Tabeddit an der Strecke nach Redeyef eine Bahnlinie über Kasserine und Sbeïtla eröffnet. Sie schloß in Ain Ghrasesia an die bestehenden Strecke Kairouan – Sousse an. Damit führten zwei Strecken von den Bergbaugebieten im Süden zur Küste.

Zwischen den Weltkriegen entstanden die rot eingezeichneten Strecken. Auch das Bergbaugebiet südlich von Gafsa wurde durch die Eisenbahn erschlossen. Als erste Strecke, die nichts mit dem Bergbau zu tun hatte, baute die französische Kolonialmacht 1931 eine strategische Strecke von Kalaat Djerda nach Algerien. Sie stellte in Tebessa den Anschluß an das algerische Netz her. Damit waren neben den Normalspurnetzen im Norden auch die Metzerspurnetze beider Länder im Landesinneren verbunden. 1940 wurde dann noch die Lücke zwischen dem nördlichen und dem südlichen Netz durch den Bau der Strecke Haidra – Kasserine geschlossen. Diese Strecke wurde im Verlauf des zweiten Weltkrieges bereits 1942 wieder zerstört.

Etwa fünf Jahre nach der Unabhängigkeit Tunesiens im Jahre 1956 wurde auch die Verbindung von Haidra zum algerischen Netz aufgegeben. Grund hierfür war der Algerienkrieg, mit dem das zu dieser Zeit noch von Frankreich annektierte Land seine Unabhängigkeit erreichen wollte. Als erste größere Baumaßnahme der Republik Tunesien im Bereich der Eisenbahnen wurde 1965 die Verbindung zwischen Haidra und Kasserine wieder hergestellt. Die Lücke nach Tebessa besteht heute noch.

Als völligen Neubau eröffnete die Republik Tunesien 1983 eine direkte Strecke von Gafsa zum Hafen Gabes. Damit konnten der Hafen und die dort entstandene Chemieindustrie aus dem Binnenland ohne Umweg erreicht werden.

Eine ebenfalls geplante Verlängerung des Eisenbahnnetzes nach Süden durch die Strecke Gabes – Medenine wurde weitgehend im Unterbau fertiggestellt. Die Bauruinen sind noch heute zu besichtigen. Ein Weiterbau ist wieder geplant.

Ob die von der französische Armee 1938/1939 zur Versorgung der Mareth-Linie gebaute Strecke nach Arram den zweiten Weltkrieg überdauerte und wie lange sie gegebenfalls noch in Betrieb war, konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden. Die örtliche Bevölkerung weiß jedenfalls noch um diese Bahn.

Heute besteht das im Südwesten Tunesiens existierende Bahnnetz aus folgenden wesentlichen Strecken:

Auf den oben angebotenen Seiten finden Sie weitere aktuelle Bilder und Beobachtungen zu diesen Strecken.

Weitere Informationen und Bilder gibt es auch in der Bildergalerie des Fahrplancenters in der Schweiz. Bei dieser Gelegenheit möchte der Autor Herrn S. Rachdi danken, der ihm dank seiner langjährigen Beschäftigung mit der tunesischen Eisenbahn ein wichtiger Ratgeber war.


• Exkursionsroute
• ehemalige Militärbahn nach Arram
• geplante Bahnlinie nach Medenine
• Die Ost-West Strecken im Süden
• Nord-Süd Strecke
• Kasserine – Sousse
© Horber Schienen-Tage
Kartographie: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Photos, Text und Gestaltung: Rudolf Barth


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