Wir wünschen allen Freunden der Horber Schienen-Tage ein friedliches und erfolgreiches Jahr 2018
FachexkursionEisenbahn in Tunesien
Die Bahnstrecke Gabes – Medenine
 

Pläne, die Region südlich von Gabes mit der Eisenbahn zu erschließen gab es schon lange. Beispielsweise berichtete das "International Railway Journal" im Jahre 1982 "..., sowie die seit langem in der Planung steckengebliebene (Geister-) Strecke Gabes/Tunesien nach Lybien, von der sich in der Steppe/Wüste südlich von Gabes einige Bauruinen finden." Mit anderen Worten, vermutlich wurde schon vor etwa einem halben Jahrhundert konkret mit dem Bau begonnen. Auch andere Quellen sprechen von einzelnen Resten von Baustellen, die entlang der RN 1 zu finden sind.

Erst vor vor einigen Jahren gab es das Angebot des alten lybischen Regierung, die Strecke zu finanzieren. Voraussetzung hierfür war der Bau in Normalspur. Damit hätten Züge der damals im Bau befindlichen lybischen Küstenbahn Zugang zu den tunesischen Häfen bekommen. Aus tunesischer Sicht hätte der Systembruch im eigenen Netz wenig Sinn gehabt. Geschehen ist nichts.

Bei der Vorbereitung der Tunesien-Exkursion überwog die Skepsis. Unbestrittener Fakt war nur, daß von Gabes aus auf drei Linien je einmal täglich klimatisierte Fernbusse der SNCFT nach Süden fahren. Zwei dieser Linien, die Fernbusse von Gabes nach Zarzis und Tataouine, führen über Medenine. Damit hat die Stadt morgens und abends eine Verbindung der SNCFT nach und von Tunis.

Dazu gab es noch den Hinweis von Herrn Rachdi (Fahrplancenter), daß die Strecke im Unterbau weitgehend fertiggestellt und auf Luftbildern gut erkennbar sei. Es zeigte sich, daß beispielsweise im online-Kartenwerk OSM große Teile der Strecke als Weg eingezeichnet sind. Im Bild links sind die bei OSM als Wege eingezeichneten Teile der Trasse hervorgehoben.

Danach war klar: Für die Verlängerung der Bahn in Richtung Lybien ist zwischen Gabes und Medenine der Unterbau weitgehend fertig gestellt. Er liegt wohl seit Jahrzehnten. Der Bahnbau wurde nie vollendet, die Strecke soll aber in naher Zukunft gebaut werden. Derzeit wird die Machbarkeit geprüft. Eine kurze Besichtigung eines oder zweier herausragender Punkte wurde im Ablauf der Fachexkursion eingeplant.

Am Dienstag, 26. Februar 2013 besuchten die Teilnehmer vor der geplanten Bahnfahrt nach Tozeur die Stelle in Gabes, an der die Küstenbahn nach Süden abzweigen sollte. Dort ist ein Gleisdreieck vorgesehen. Diese Auslegung der Zufahrtsgleise ist in Tunesien oft anzutreffen. Damit können Güterzüge ebenso wie durchfahrende Fernzüge den Bahnhof vermeiden. Das spart nicht nur Baukosten im Bahnhof, dieser kann als Kopfbahnhof auch problemloser an die Stadt herangebaut werden.

Die für diesen Zweck freigehaltene Fläche wirkt etwas öde und wenig spektakulär. Man sollte sich aber auch vor Augen halten, daß sie seit über einem halben Jahrhundert unbebaut geblieben ist. Die bestehende Bahnlinie führt, von Norden kommend, in einer Rechtskurve zum Bahnhof Gabes.

Bei der Rückfahrt von Douz nach Homt Souk querte die Exkursionsroute nach dem kurzen Halt beim Museum Mareth auf der C 116 die Bahntrasse. Nicht nur der Unterbau, auch kleinere Durchlässe sind fertig gestellt.

In seiner ganzen Wucht allerdings zeigt sich das Bauwerk besser aus einiger Distanz.

Das Bild unten entstand nach der Exkursion bei der Fahrt des Autors von Homt Souk nach Mareth. Es war früh am Morgen, an der Fähre gab es keinen Stau, alles ging wesentlich rascher als erwartet. Die Sonne kam direkt aus Osten, die Berge waren noch etwas im Dunst.
 

Es konnte nicht nur der Halt für das Bild eingelegt werden, es blieb auch genug Zeit um die Bahntrasse, die heute als Piste genutzt wird, ein Stück weit zu verfolgen. Ein PKW mit Vierradantrieb ist nicht unbedingt an Asphaltstraßen gebunden und für solche Aktionen gut geeignet. Unser Auto war übrigens nicht das einzige bei diesem sehr speziellen SEV.

 
Auch bei dieser Trasse ist die Erosion ein Problem. Die nebenstehenden Bilder zeigen nicht nur das Problem, sondern das untere Bild auch die Findigkeit, mit der die tunesische Bevölkerung nach Lösungen sucht. Der Autor hat mit seinen mitteleuropäisch geschulten Augen aus der Ferne an einen dummen Streich gedacht, der einheimische Fahrer hingegen sofort das für uns ungewohnte Warnschild erkannt.

Nach einer mehrtägigen Erkundung des Bahnnetzes im Südwesten konnte bei der Rückfahrt nach Homt Souk im Vorbeifahren der Endpunkt der Trasse in Medenine besichtigt werden. Am nordwestlichen Stadtrand, am Kreisverkehr zwischen der RN 1 und der autobahnähnlich ausgebauten Umgehungsstraße, liegt der Busbahnhof (Gare Routiere). Unmittelbar daneben befindet sich das für den Bahnhof freigehaltene Areal. Dieser Standort bietet beste Voraussetzungen für eine ununterbrochene intermodale Transportkette im Personenverkehr.

Es bliebe noch zu klären, ob und vor allem wann der Bahnhof tatsächlich gebaut wird, die Machbarkeitsstudie steht jedenfalls im Fünfjahresplan.

Preisfrage: Warum denkt da der Autor an den Bundesverkehrswegeplan? Ganz nebenbei, vermutlich ein Thema der diesjährigen 31. Horber Schienen-Tage.

© Horber Schienen-Tage
Kartographie: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Photos, Text und Gestaltung: Rudolf Barth


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