Verleihung des Europäischen UmweltpreisesEuropäischer Umweltpreis

Anläßlich der 6. Horber Schienen-Tage wurde Herrn Kurt Bielecki in Anerkennung der dort geleisteten Arbeit der Europäische Umweltpreis verliehen.

Erster Preis Kategorie Umweltschutz

Projekt: Horber Schienen-Tage
Initiative und Kontaktadresse: Kurt Bielecki

 

Rede der Jury

Bonn, 14. November 1988

Wenn Georg Stephensen, der Vater der Eisenbahn, heute noch leben würde, wäre er sicherlich Mitinitiator der Horber Schienen-Tage. Jedes Jahr im Herbst treffen sich Vertreter engagierter Verkehrsinitiativen aus der ganzen Bundesrepublik in der kleinen Stadt Horb am Neckar, um sich auszutauschen und die Bonner Verkehrspolitik auf die richtige Schiene zu setzen. Die Bahn, das ist Ziel der Initiativen, soll als umweltfreundliches Verkehrsmittel endlich wieder den Stellenwert erhalten, den sie verdient.

Angefangen hat alles mit einer schlaflosen Nacht des Initiators der Schienen-Tage, Kurt Bielecki, im Sommer 1983. Sein Gram über die ständigen Stillegungen von Nebenstrecken und die Leitlinien zur Sanierung der Deutschen Bundesbahn brachte ihn auf die Idee: Um mehr zu bewirken, müßten sich die vielen kleinen Bürgerinitiativen, die sich vor Ort für die Erhaltung eines attraktiven und umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehrangebotes engagieren, zusammenfinden, sich austauschen und voneinander lernen. Also lud der pensionierte Bahnbeamte zum Informationsaustausch in seine Heimatstadt. So kamen die ersten Horber Schienen-Tage zustande. Sie dienten dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Erfahrungsaustausch und der Fortbildung zugleich und schafften eine gemeinsame bundesweite Öffentlichkeit.

Wenn im November dieses Jahres die sechste Tagung eröffnet wird, dann erweist sich diese Initiative mehr denn je als die wichtigste Lobby für eine umweltfreundliche Verkehrspolitik. Jedes Jahr kommen die ehrenamtlichen Verkehrsexperten mit frischem Mut vom Neckar in ihre Heimatorte zurück und haben neue Ideen und Erkenntnisse im Gepäck.

Jährlich 150 Teilnehmer in Horb repräsentieren rund 100 aktive Gruppen in der Bundesrepublik. ihnen geht es um mehr als um die weiterhin anhaltenden Streckenstillegungen der Bahn. Die sind nur Symptome eines zu sehr auf das Auto ausgerichteten Verkehrskonzepts. Im Mittelpunkt der Tagungen steht daher die gesamte Verkehrspolitik unter dein Aspekt des Schutzes von Umwelt und Gesundheit.

So ist das 1986 beschlossene Horber Manifest "Reform der deutschen Bahnpolitik" viel mehr als sein Titel andeutet: Während nach Aussage von Kurt Bielecki in den letzten Jahren das bundesdeutsche Straßennetz auf 500.000 km anwuchs, reduzierte die Bahn ihre Gleiskilometer von 30.000 km auf 20.000 km. Eine weitere Reduzierung auf 10.000 km ist zu befürchten. In Horb ist man sich einig: Es müssen wieder 30.000 Bahnkilometer werden. Ein flächendeckendes Bahnnetz reicht aber nicht als attraktives Angebot. Die Strecken sollen modernisiert werden, d.h., daß schnellere und bequemere Züge auch die Räume zwischen den Ballungszentren mit einem bedürfnisorientierten Fahrplan bedienen müssen. Busse sollen Nebenstrecken nicht ersetzen, sondern ergänzen. Nur auf diese Weise kann die Bahn ausreichend Fahrgäste zurückgewinnen und rentabel wirtschaften. Daß dies nicht funktionieren soll, wollen die Horber Verkehrsexperten erst bewiesen wissen. Ein Modellvorhaben in der Region Bielefeld soll es zeigen. Noch ist das Experiment nicht durchgeführt. Aber auch auf der diesjährigen Tagung wird es wieder einen Aufruf an die Verantwortlichen geben.

Die Verantwortlichen sind inzwischen in Horb dabei. Das Management der Bundesbahn hatte schon zur ersten Tagung die Bedeutung. der Horber Schienen-Tage erkannt und ist seither Stammgast. Das Bundesverkehrsministerium sieht sich mittlerweile gezwungen, in Horb vertreten zu sein, und zumindest die Oppositionsparteien berichten dort aus der laufenden Arbeit des Bundestagsausschusses Verkehr. Die Politiker müssen Rede und Antwort stehen und zeigen, ob sie etwas für die umweltfreundliche Bahn getan haben.

Die Kraft und Motivation, die von diesem Treffen ausgeht, hat die Jury am meisten beeindruckt. Die Initialzündung dieser Initiative für Projekte in der ganzen Bundesrepublik, die konkreten Hilfestellungen für die Probleme vor Ort und gleichzeitig die erfolgreiche Einmischung in die Politik, die große Sachkenntnis, die Ausdauer und geschickte Öffentlichkeitsarbeit überzeugten die Jury zur Vergabe des ersten Preises in der Kategorie Umweltschutz.


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